Nicht nur unser Garten wurde wiedererweckt, sondern – als Folge davon - auch eines meiner Hobbies. Ich hatte die Fotografie bereits früher einmal, zwischen 1977 und 1994, als Freizeitbeschäftigung betrieben. Es waren vor allem Architektur, Städte und Landschaften, die ich damals auf Film bannte. Nachdem sich in unserer Wohnung die Kästen mit Kodachrome-Dias und die Wände mit Cibachrome-Abzügen gefüllt hatten und niemand Lust verspürte, Leinwand und Diaprojektor aufzustellen, um sich die fotografische Ernte zu Gemüte zu führen, hängte ich mein Hobby an den Nagel. Nur gelegentlich machte ich in den folgenden Jahren noch dokumentarische Aufnahmen unseres 1996 übernommenen Gartens. Schliesslich verkaufte ich meine gesamte Fotoausrüstung.
Die erste von meiner Frau erworbene digitale Kamera, eine Nikon Coolpix 5000, setzte ich 2002 versuchshalber ein, um ein paar Ferienschnappschüsse in einem US-Nationalpark zu machen. Die Qualität der Aufnahmen verblüffte mich. In der Folge verwendete ich die Kamera, um hie und da Momentaufnahmen unseres Gartens zu machen, der sich in raschem Wandel befand. Später dokumentierte ich den Garten mit einer Nikon Coolpix 5700, dann einer Coolpix 8700.
Die rasche Verbesserung der digitalen Fototechnik und der Wunsch meiner Frau, den Garten auch in gedruckter Form zu verewigen, erweckte mein früheres Hobby wieder zu neuem Leben. Ende 2005 erwarb ich meine erste digitale Spiegelreflexkamera, eine Nikon D200, zusammen mit dem Nikkor DX 18-200mm-Zoom und dem Nikkor FX Makro-Objektiv 105mm VR. 2008 folgte eine Nikon D700, deren Sensor die Fläche des früheren sog. Kleinbildformats aufweist (Nikon nennt dieses Format FX), sowie das Nikkor Superweitwinkelzoom 14-24mm f/2.8 und das Nikkor Telezoom 70-200 f/2.8. Gleichzeitig begann ich auch – ermutigt durch Gespräche mit meinem Arbeitskollegen und leidenschaftlichen Tier- und Landschaftsfotografen Enzo Franchini – im RAW-Format zu fotografieren und die Aufnahmen in Adobe Lightroom zu „entwickeln“.
Die Aufnahmen im Garten wurden teils mit Hilfe eines Gitzo-Stativs geschossen, teils freihändig. Gerade die hohe Lichtempfindlichkeit der neuesten Kamerageneration, zusammen mit der in manchen Objektiven eingebauten Vibrationsdämpfung, erschliesst dem Fotografen neue Möglichkeiten, etwa im Bereich der Nahaufnahmen und available light-Fotografie. Verfehlt wäre es jedoch, die Ausrüstung als das Wesentliche zu betrachten. Wichtiger für den Garten- und Naturfotografen sind ein wacher Blick für Sujets, ein entwickelter Sinn für Bildkomposition und viel Geduld. Geduld heisst für den Fotografen: warten, bis das richtige Licht die Farben zum Vibrieren bringt, die ersten Sonnenstrahlen auf den Morgentau treffen, der Wind sich einen kurzen Moment lang legt, das Insekt endlich auf der Blume Platz nimmt, die gefüllte Kamelienblüte sich voll entfaltet hat, ohne bereits die Zeichen der Vergänglichkeit zu zeigen ...
Mein fotografisches Anliegen ist es, einerseits die stete Metamorphose unseres Gartens zu dokumentieren, andererseits all das Winzige, Unscheinbare und Flüchtige sichtbar zu machen, das dem menschlichen Auge normalerweise allzu leicht entgeht, obwohl es an Schönheit oft das Augenfällige übertrifft.
Fotos zu dieser Website beigesteuert hat auch der Berufsfotograf Christian Lanz aus Zürich. Einige Bilder entstanden ursprünglich für eine grössere Reportage über unseren Garten in der Coop-Zeitung vom 15. März 2006. Später hat Christian Lanz auf unseren Wunsch zweimal einen unserer Gartentage dokumentiert. Für seine freundschaftliche Unterstützung sei ihm auch an dieser Stelle gedankt.