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    Im Land der Gärten

    November 12, 2019

    Nur in England und Japan haben Gärten in Kultur und Alltag einen derartigen Stellenwert. Während wir seit rund zwanzig Jahren jährlich mindestens eine Gartenreise nach England unternehmen, war Japan für uns bisher terra incognita. Höchste Zeit also, dies zu ändern. Und so bereisten wir Ende Oktober / Anfang November während dreier Wochen einen Teil der japanischen Inseln. Während private Gärten meist sehr klein und wenig spektakulär sind, handelt es sich bei den öffentlich zugänglichen Gärten meist um Gründungen von Adligen, zuweilen von Klöstern. Manche sind mehrere hundert Jahre alt. So gut wie jeder japanische Garten ist inspiriert von der japanischen Landschaft: Meer, Seen, Teiche, Flüsse, Wasserfälle, Brücken, Berge, Hügel ... Die Natur wird dabei einem strengen Regiment unterworfen: Jeder Baum wird in eine möglichst pittoreske Form gebracht durch aufwendige Erziehung (Niwaki-Schnitt). Zur Erbauung und Unterhaltung gedacht, beherrbergen sie immer auch ein Teehaus. 

     

    Der 1702 gegründete Rikugien Garden in Tokyo. Die Gärten in den Grossstädten mögen ihre historische Gestalt bewahrt haben, aber der topographische Kontext hat sich seit dem 2. Weltkrieg massiv verändert. Oft fungierten die umliegenden Hügel und Wälder, manchmal auch ferne Berge, vorzugsweise der Mount Fuji, als "geborgte Landschaft"; Garten und Landschaft verschmolzen. Tempi passati! Heute prallt der Blick des Gartenbesuchers, zumal er, wie hier, auf einem künstlichen Hügel steht, an den Fassaden von Hochhäusern und Shoppingcenters ab.

    Ritsurin, Takamatsu, einer der schönsten Gärten Japans. Hier funktioniert das Konzept der "geborgten Landschaft" noch. Noch immer werden Besucher auf Weidlingen rund um den See gestachelt.

    Kinkakuji (Golden Pavillion), Kyoto. Wenn der vergoldete buddhistische Tempel in der Abendsonne leuchtet, verzaubert er den ganzen Garten.

    Kenrokuen, Kanazawa. Jeden November werden die Bäume mit aufwendigen Seilkonstruktionen vor den Schneelasten geschützt. Typisch japanisch: Was praktisch ist, muss auch schön sein!

     

    Tofuku-Ji, Kyoto, von Shigemori Mirei 1938. Das Kiesbeet symbolisiert Wasser, die Felsen Inseln. Dass Mirei Tradition und Moderne zu verbinden suchte, zeigt sich an der expressiven Form der gewählten Steine.

     

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