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  • AutorenbildHerbert Frei

Sherlock Holmes im Garten

Aktualisiert: 23. Juni

Bei manchen Gartenproblemen ist die Ursache rasch gefunden. Aber gerade bei Gehölzen kann es kompliziert werden, etwa bei der Diagnose von Ernährungsstörungen. Kein Wunder, benötigt ein deutsches Handbuch für  Ernährungsstörungen in der Land- und Forstwirtschaft 370 Seiten mit 938 Abbildungen, um eine möglichst sichere visuelle Diagnose zu ermöglichen.

Jede Pflanze benötigt eine Vielzahl von Nährstoffen, deren Verfügbarkeit von zahlreichen Faktoren abhängig ist. Ein Mangel einer oder mehrerer Nährstoffe kann ebenso zu Störungen des Stoffwechsels führen wie ein Überschuss. Zu klären ist auch, ob Schadsymptome pathogene Ursachen (z.B. Pilze, Viren, Insekten) haben oder ob physikalische Faktoreen (z.B. Bodenverdichtung, Staunässe) oder Witterungsbedingungen (z.B. Frost, Wind, Trockenheit, extreme Temperaturen) eine Rolle spielen.

Selbst für Fachleute ist es nicht immer einfach, auf Grund der sichtbaren Symptome eine zuverlässige Aussage zu machen. Als Ergänzung der visuellen Diagnose ist deshalb die Bodenanalyse sinnvoll. Eine solche haben wir kürzlich vornehmen lassen, weil einige unserer Bäume (zwei Stewartien, ein Erdbeerbaum) seit einiger Zeit schwer deutbare Blattveränderungen zeigen.


Vergilbung und fleckige Nekrosen (dunkle Flecken) bei der Stewartia monadelpha. Die Nekrosen könnten gemäss eines Pflanzenschutzexperten die Folge eines Mangan-Überschusses sein, der bei der Verwendung von Rindenkompost entstehen kann. Rindenkompost verwenden wir in der Tat, wenn wir eine leicht saure Erdmischung erzielen wollen. Die Bodenanalyse zeigte einen Stickstoff- und Phosphatüberschuss.

Vergilbung der Blattränder bei der Stewartia pseudocamellia, die teilweise in eine Nekrose übergeht. Die Bodenanalyse zeigte einen Stickstoffmangel und einen Phosphatüberschuss. Möglicherweise hat aber auch das Übermass an Regen einen Anteil an der Problematik.

Elsa Ferstl nimmt mit Hilfe des FarmLab, eines hochmodernen Messgeräts, dessen mit Sensoren ausgerüstete Spitze in den Boden eingesenkt wird, bei jedem Baum drei bis vier Bodenproben.

Der Kunde erhält ein Datenblatt mit den Durchschnittswerten der Proben. Spurenelemente können indessen nicht gemessen werden!

Beim langsamen Absterben des Acer palmatum 'Atropurpureum' seit 2022 sind wahrscheinlich sowohl abiotische als auch biotische Faktoren im Spiel. Der Baum, seit rund zwanzig Jahren in unserem Garten, scheint die heiss-trockenen Sommer von 2022 und 2023 schlecht vertragen zu haben. In beiden Fällen begann er sein Laub vorzeitig abzuwerfen. Ist ein japanischer Ahorn einmal geschwächt, haben Pilze, vor allem Verticillium (Welke), leichtes Spiel. Sie verstopfen die Saftbahnen und führen zum Absterben einzelner Äste, dann ganzer Stämme, schliesslich des ganzen Baumes. Der Dauerregen in diesem Frühjahr hat möglicherweise zu Staunässe geführt und den Pilzbefall erst recht gefördert. Hält sich ein Verticilliumbefall in Grenzen, kann der Baum damit leben, nimmt er überhand, ist der Baum nicht mehr zu retten. Das Bild zeigt den Zustand vom 23. Juni 2024. An der selben Stelle sollte mit Vorteil kein Baum mehr gepflanzt werden, der auf Verticillium anfällig ist. Sprich: Wir sind auf der Suche nach einem Ersatz, der den doch sehr dominanten und von allen Besucher:innen bewunderten Ahorn würdig vertreten kann. Keine leichte Aufgabe ...


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